Eine uralte körperliche Reaktion in einem hochmodernen Alltag
Streng wissenschaftlich betrachtet, kann sich Stress immer dann entwickeln, wenn Menschen (und andere höhere Lebewesen) plötzlich oder dauerhaft in eine Lage geraten, die sie als bedrohlich und beängstigend empfinden, weil sie zuvor gedanklich zu dem Schluss gekommen sind, dass sie nicht über genug Wissen und Erfahrung verfügen, um die Situation bewältigen zu können.
Wann, wodurch und wie häufig es dazu kommt und welche Folgen Stress dann hat, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und hängt von vielen weiteren Faktoren ab. Doch unterm Strich weiß wohl jede und jeder von uns, dass es heute in einem normalen Alltag de facto nicht möglich ist, sich sämtlichen Ereignissen und Zuständen zu entziehen, die ein Gefühl von Druck, Aufregung oder Überlastung auslösen. Anders ausgedrückt: Stress gehört zum Leben dazu. Manche Forschende vermuten sogar, dass Leben und Weiterentwicklung ohne Stress gar nicht möglich wären.
Zu den typischen Ereignissen und Zuständen, die Stress auslösen können, gehören zum einen äußere Reize, die wir nicht oder kaum ändern können, z. B. das Wetter, Verkehrsstaus oder Lärm. Zum anderen zählen auch psychosoziale und innere Stressoren dazu, z. B. Ärger im Arbeitsumfeld, ständiges Gedankenkreisen (Grübeln), Unzufriedenheit, Perfektionismus oder Hochsensibilität. Diese und viele weitere, oft sehr individuelle Faktoren können uns körperlich und geistig-emotional unter Strom setzen. Mal kurzfristig, mal länger anhaltend, mal sind sie mehr und mal weniger störend.
Doch alle Situationen, die Menschen als unangenehm oder überfordernd empfinden, haben etwas gemeinsam: Sie führen dazu, dass der Körper innerhalb kürzester Zeit mit einer Signalkaskade und Stresshormonen geflutet wird. Dabei greift vor allem die Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol in eine Reihe unbewusst stattfindender Abläufe ein. Sie versetzt den Körper in einen Alarmzustand und eine höhere Leistungsbereitschaft. Denn der Bauplan der Evolution sieht vor, dass der Mensch unter Stress entweder bereit ist für Kampf oder Flucht. In jedem Fall sorgt das vegetative Nervensystem dafür, dass sich in Sekundenbruchteilen die Pupillen weiten, die Atmung schneller und die Verdauung gedrosselt wird, während die Muskelspannung, der Blutdruck und auch die Körpertemperatur steigen.1 Das Problem: Heutzutage geraten wir zwar glücklicherweise kaum noch in Situationen, in denen wir wirklich kämpfen oder flüchten müssen, dafür lässt aber der moderne Alltag bei vielen die steinzeitliche Stressreaktion immer häufiger anspringen und die Erholungsphasen, in denen die Stresshormone wieder abgebaut werden könnten, werden immer kürzer und seltener. Das kann auf Dauer erhebliche Folgen für den Körper und die Psyche haben.
Die Haut und das Nervensystem sind eng miteinander verbunden. Im Embryonalstadium entsteht beides in der zweiten und dritten Entwicklungswoche aus demselben Keimblatt.2 Psychodermatologen sehen in diesem gemeinsamen Ursprung auch den Grund für einen Zusammenhang zwischen Stress und entzündlichen Hauterkrankungen.3 Dieser könnte darüber hinaus erklären, warum sich auch andere psychische Probleme oft am Hautbild zeigen und umgekehrt eine kranke Haut die Psyche belastet.4










